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Thema: Prakt. Abschlußprüfung ( Industriemechaniker)

  1. #1
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    Unglücklich Prakt. Abschlußprüfung ( Industriemechaniker)

    Hallo zusammen,

    ich bin Ausbildungsleiter im gewerbl. Bereich ( Industriemechaniker ) eines mittelständischen
    Unternehmens der Metallbranche.
    Hier nun meine Frage in die Runde.Ich würde gerne mal erfahren, was andere Kolleginnen
    und Kollegen von der jetzigen Abschlußprüfung " Betriebl. Auftrag " im Metallbereich
    ( Berufsbild Industriemech.) halten.
    Die Prüfung besteht ja aus der Dokumentation der selbstgewählten Prüfungsaufgabe
    und dem daraus resultierenden 30. Minuten dauernden Fachgespräch.
    Was haltet ihr von der Aussagekraft des Fachgespräch ( aus dem letztendlich die Note
    hervorgeht ) im Bezug auf die Prakt. Fähigkeiten des Prüflings. Kann man eurer
    Meinung nach daraus Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit des jungen Menschen
    ziehen ???. ( Das Prakt. Abschlußstück wird ja überhaupt nicht in Augenschein genommen ) Ich bin da doch etwas im Zweifel. Oder ist es eher eine gute Profilierungsbühne für
    rethorisch Begabte. Was ist mit dem guten Praktiker ( den wir Unternehmen uns ja
    wünschen), der sich aber vielleicht mit dem Erklären schwer tut.
    Sagt eine solche Notenfindung wirklich etwas über den tatsächlichen Leistungsstand
    des Prüflings aus. Die alte Prüfung war sicherlich in einigen Teilen Verbesserungswürdig,
    aber von der Aussagekraft her meiner Meinung nach gegenüber der " Neuen " eindeutig
    im Vorteil. Ich betrachte die ganze Sache mit sehr gemischten Gefühlen und glaube
    nicht, das der Aufwand der betrieben werden muss das Ergebniss rechtfertigt.!!!!!!!


    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Betz
    Maschinenbaumechanikermeister
    Bereich Feinmechanik
    Gewerbl.Ausbildungsleiter

  2. #2
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    1

    Standard Hallo zusammen

    Ich bin wirklich schon lange im Prüfungsauschuß tätig und habe mit dem betrieblichen Auftrag so manche Sorgen. Es stört mich vor allem das der betriebliche Auftrag direkt nicht bewertet wird. In einem halbstündigen Fachgespräch die passende Note zu finden erfordert fast hellsherische Fähigkeiten. Welcher Kunde prüft so sein Lieferant? Wir wollten doch zurück zur Praxis. Tatsache ist das mit dieser Prüfungsmethode nur ein sehr geringer Teil vom Facharbeiterwissen bzw.-können geprüft werden kann. Ohne gezieltes Training auf dieses Fachgespräch sind schlechte Noten vorprogrammiert. Und nochwas..warum kürzt man denn die Prüfungszeit von 21 auf 18 Stunden wenn doch 100% produktiv gearbeitet wird?
    Mit freundlichen Grüßen
    G.Hägele

  3. #3
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    53

    Standard Re: Prakt. Abschlußprüfung ( Industriemechaniker)

    Der Streit um die richtige Prüfung ist ein interessantes Dauerthema. Mit der Einführung der gestreckten Abschlussprüfung bei den industriellen Metall- und Elektroberufen in 2007 ist jetzt bei diesen Berufen ein Veränderungsprozess der Prüfungsgestaltung abgeschlossen. Ziel des Ganzen war es, einen Prüfungsrahmen zu schaffen, der es bestmöglichst sichert, dass die berufliche Handlungskompetenz mit der Prüfung erfasst werden kann. (Kompromisse liegen hier in der Natur der Sache und sind auch in der Findung eines vertretbaren Prüfungsdaufwands zu sehen.)
    Dabei fallen den beiden Prüfungsteilen unterschiedliche Aufgaben zu. Im ersten Teil geht es schwerpunktmäßig um die vordergründig fachliche Erfüllung einer "komplexen Arbeitsaufgabe" (Herstellen einer Baugruppe), während im zweiten Teil das selbständige Bearbeiten eines betrieblichenn Auftrags steht (Herstellen, Einrichten, Ändern, Umrüsten oder Instandhalten von Maschinen und technischen Systemen) und dabei das komplexe, selbständige Handeln des Auszubildenden zu prüfen ist. Die angemahnte "In-Augenscheinnahme" des Ergebnisses wird eher in Teil 1 als in Teil 2 erfolgen. Allerdings ist dies auch im Teil 2 möglich und wird von Prüfungskommissionen so gehandhabt, dass Mitglieder der Prüfungskommission zumindest zeitweise bei Bearbeitung des Arbeitsauftrags dabei sind bzw. sich das Arbeitsergebnis ansehen. In der Prüfungsordnung steht: Dabei sind (neben anderen Punkten)... Bewerten der Arbeitsergebnisse ... zu berücksichtigen." (§18 der AO) Ziel des Fachgesprächs ist nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Vorgehensweise (den Prozess) des Auszubildenden zu hinterfragen.
    Trotzdem stimme ich zu, dass es natürlich eine Gefahr ist, dass Auszubildende, die gut reden können und die besonders schöne Präsentationen haben, einen Vorteil haben und möglicherweise damit fachliche Schwächen auch ein Stück überbrücken können.
    Mir sind allerdings bei Fachgesprächen, an denen ich beobachtend teilgenommen habe, noch zwei andere Dinge aufgefallen. Erstens: Fragen, die von der Prüfungskommission gestellt werden, sind gelegentlich reine Wissensfragen (das gehört eher in den Prüfungsbereich Fertigungstechnik). Zweitens: Dominieren gelegentlich Berufsschullehrer sowohl den Fragenkomplex als auch die Leistungseinschätzung.
    Die Reduzierung der Prüfungszeit von 21 auf 18 Stunden hat sicher eher politischen Signalcharakter. Auch hier würde ich den Vorrednern recht geben, dass es sich ja um durchaus produktive Zeit handelt, da ja das Arbeitergebnis der prüfung für das Unternehmen verwertbar ist.
    Insgesamt meine ich, dass Prüfungskommissionen sehr verantwortungsvoll handeln und von vielen der betriebliche Auftrag wie auch die gestreckte Form der Abschlussprüfung begrüßt und und gut geheißen wird. In Bezug auf den Mechatroniker wird unterdessen von vielen die gestreckte Abschlussprüfung gefordert.
    Mit besten Grüßen

    Gert Zinke
    Geändert von gert.zinke (13.08.2008 um 09:52 Uhr)

  4. #4
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    Beitrag Prakt. Abschlußprüfung Industriemechaniker

    Hallo Herr Hägele und Herr Zinke

    Zuerst möchte Ich mich für meine späte urlaubsbedingte Rückmeldung entschuldigen.
    Vielen Dank für Ihre beiden Antworten.Ich denke Herr Hägele teilt in etwa meine
    Bedenken in dieser Sache.
    Doch zu den Ausführungen von Herrn Zinke möchte ich noch folgendes sagen.
    Kann man den wirklich nach 18. Monaten Ausbildung den Leistungsstand und das
    prakt. Ergebniss der Arbeitsaufgabe ( Teil 1 ) als Stand des Könnens in der Endnote festhalten. ??
    Aber man muss es ja, denn das prakt. Können in Teil 2 ist meiner Meinung nach mit
    dieser Prüfungsform durch selbstständiges ( ? ) Herstellen nicht zu Kontrollieren und
    zu Bewerten. Ich selbst habe es noch nie erlebt, das ein Mitglied der Prüfungs-
    kommission auch nur Zeitweise bei der Bearbeitung anwesend war. Abgesehen davon
    würde der sowiso schon größer gewordene Zeitaufwand für die Prüfer noch steigen.
    Aber genau das Gegenteil war bei Einführung der neuen Prüfung als Argument ins Feld
    geführt worden.
    Bei manchen Prüflingen frage Ich mich anhand der Antworten, ob er das gerade
    vorgetragene auch wirklich selbstständig durchgeführt hat. Dem "Betrug" steht meiner
    Meinung nach Tür und Tor offen. Aber nun nochmal zurück zum Kern des Themas.
    Bringt diese Prüfung wirklich eine aussagekräftige Beurteilung des jungen Facharbeiters
    hervor, die ja auch für spätere Arbeitgeber interessant ist weil sie sich ja auf Grund
    dieser Ergebnisse für oder gegen Einstellung entscheiden müssen.Ich glaube nicht !!!

    Es wäre zum Beispiel genau das gleiche wenn jemand beim Studium der Medizin
    sagen würde, die angehenden Ärzte können sich bei Ihrer Abschlussarbeit auf einen
    einzigen Teil des menschlichen Körpers beschränken und der ganze Rest bleibt aussen
    vor. Aber in diesem Fall müssen sich die angehenden Mediziner zuerst ein umfassendes
    Grundlagenwissen aneignen, ihre Prüfungen ablegen und können sich erst dann
    mit speziellen Vorgehensweisen und Fachrichtungen befassen. Zugegeben, das
    Beispiel ist weit hergeholt trifft aber den Kern der Diskussion doch sehr genau.
    Zuerst müssen umfangreiche prakt. Grundlagen gelegt werden, ohne die eine spätere
    vernünftige Ausübung des Berufs nicht möglich ist. Was nützt es dem späteren
    Facharbeiter wenn er zwar die Vorgehensweise (Prozess) festlegen kann, aber nicht in
    der Lage ist diese auch prakt. in ein gutes Arbeitsergebniss umzusetzten.????
    Natürlich ist das Verstehen von Fertigungsprozessen und innerbetr. Abläufe wichtig,
    aber dies ergibt sich meiner Meinung nach in der Folge der Ausbildung als Jungfach-
    arbeiter bei täglich neu auftretenden Problemen zum größten Teil von alleine.
    Denn das Lernen hört mit Ablegen der Prüfung ja nicht auf, sondern geht unvermindert
    weiter.
    Abschließend möchte ich sagen, das mit dieser Prüfungsform "fast jeder" Prüfling
    ( mit wenigen Ausnahmen ) egal ob gut oder weniger gut mit etwas Training und
    rethorischem Können ungeachtet seines tatsächlichen Leistungsstandes zu einer
    mehr oder weniger guten Note kommt. Aber kann das im Sinne von uns Ausbildern,
    späteren Arbeitgebern aber vor allen Dingen von den jungen Menschen sein, von denen später im Arbeitsleben täglich aufs neue eine gute Arbeitsleistung erwartet wird.
    Ich glaube nicht. !!!!!!


    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Betz
    täglich
    Maschinenbaumechanikermeister
    Bereich Feinmechanik
    Gewerbl.Ausbildungsleiter

  5. #5
    Registriert seit
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    25

    Standard Sind wir doch ein wenig ehrlicher zu uns selbst!

    Guten Tag Herr Betz, welcome home! Eigentlich wollte ich mich zu dieser Prüfungsthematik nicht mehr äußern. Offen gestanden: nach jahrelangen Diskussionen, zudem als Mitglied im Neuordnungsverfahren, sehr vielen Infoveranstaltungen u.v.a.m. hängt mir das Thema zum Hals raus - sorry. Nachdem Sie sich aber vehement und engagiert zu Wort melden, möchte ich mich doch ein paar Minuten der Problematik stellen:

    1. In Deutschland und insbesondere während der Neuordnungsphase kümmern wir uns viel zu sehr um die Prüfungsmodalitäten und vernachlässigen in diesem Prozess die
    40-41 Monate Ausbildungszeit, die exkl. der Prüfungsperiode übrig bleibt!! Wir sollten uns vielmehr der Qualität der Ausbildung widmen, denn in diesem Zeitraum wird die Einsatzfähigkeit der späteren Facharbeiter "erzeugt". Wir können - mit welcher Prüfungsform auch immer - nie (!!) Qualität erprüfen.
    2. Wir haben noch keine optimale Prüfungform gefunden, auch die jetzige Lösung hat Mängel, ist m.E. aber besser als das alte Modell. Zudem kann man beim Teil 2 zwischen 2 Varianten wählen - das ist ein Fortschritt gegenüber z.B. der Mechatronikerprüfung.
    3. Mit der bisherigen (alten) Prüfungform konnte ich auch jeden halbwegs begabten Menschen mit entsprechender Trainingszeit zu einer guten Noten trimmen/verhelfen. Wir haben im praktischen Teil der Prüfung - egal ob alt oder neu - ganz selten Durchfaller. In der Notenverteilung - Vergleich alt/neu - gibt es keine wesentlichen Unterschiede!
    4. Die Inhalte der alten Prüfung waren zu einem großen Teil auch nicht entsprechend einer späteren Facharbeitertätigkeit gestaltet. Man mußte - um eine gute Note erreichen zu können - mindestens 1-2 Übungsstücke für die Prüflinge vorschalten.
    5. Uns "Technikern" fallen die Fachgespräche nicht leicht, da müssen wir alle gemeinsam noch üben, dann wird dies von Jahr zu Jahr besser. Dabei dürfen wir das Fachgespräch nicht mit einer mündlichen Prüfung verwechseln.
    6. Der Prüfungsausschuss kann nicht umherreisen und die Abschlussprüfungen begutachten, das kann und soll nicht geschehen. Herr Zinke: da liegen Sie vollkommen falsch.
    7. Die Teil 1 Prüfung ist zusätzlicher Aufwand, der sich m.E. lohnt. Wir haben nicht mehr nach 3,5 Jahren nur eine Prüfung an 2 Tagen die die Note bestimmt. Das ist gut so! Die Ausgestaltung der Teil 1 Prüfung im Beruf Industriemechaniker gefällt mir allerdings nicht so sehr! Wir bilden keine Schlosser aus sondern Mechaniker! Der Verbrauch von mehreren Kilo kaltgezogener Stahl pro Prüfling müßte auch nicht sein.
    8. Der gesamte Prüfungsaufwand - Prüfling und Prüfer - hat sich m.E. erheblich reduziert. Wir haben rund 50 Prüflinge pro Jahr und mit dem Teil 2 der AP nur sehr wenig Arbeit. Sicher ist der Prüfereinsatz - insbesondere durch Teil 1 - gestiegen.Den Preis zahlen wir gerne, da die vielen Prüflinge viel weniger Aufwand durch die neue Prüfung in Teil 2 "erzeugen".
    9. Die Aussagekraft der Prüfung ist weder bei Alt noch bei Neu umwerfend gut, das ist leider so.
    10. Wer eine gute, intelligente Prüfungform entwickeln kann/will, soll sich bitte beim BiBB melden oder sich beim nächsten Neuordungsverfahren beteiligen.

    Nochmal: Sie sichern durch eine gute Ausbildung die Qualität der künftigen Facharbeitergenerationen und eben nicht durch 2 oder 3 Tage Prüfung!

    Gute Zeit! Gruss, Wiedmann

  6. #6
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    Standard Prakt. Abschlußprüfung Industriemechaniker

    Hallo Herr Wiedmann

    Kann ihren Frust verstehen. Aber auch in Mir stellt sich nach jeder abgelaufenen Prüfungsrunde der neuen Form ein gewisses Maß an Unzufriedenheit ein. Einen Teil ihrer Ausführungen sehe ich ähnlich, bei anderen Punkten gehen unsere Meinungen doch etwas auseinander.
    Natürlich konnte und kann man weder mit der alten noch mit der neuen Prüfungsform die Qualität des Prüflings zu 100% feststellen. Es mag altmodisch erscheinen, aber meiner Meinung nach konnte man mit der alten Form der Prüfung erheblich mehr über die prakt. Fähigkeiten erfahren. Man hatte einfach etwas in der Hand das man objektiv nach Kriterien die für alle gleich waren bewerten konnte.
    Ich finde einfach, das die Vergleichbarkeit der Prüfungsergebnisse absolut verlorengegangen ist. Vielleicht liegt es auch an den meiner Meinung nach zu geringen Vorgaben über Umfang und Anspruch der Arbeitsaufgabe.
    Ihrem Schlußsatz stimme ich in vollem Umfang zu das nicht durch Prüfungen sondern durch gute Ausbildung Qualität entsteht.
    Nur sieht man einem Prüfling die Qualität der erfahrenen Ausbildung leider nicht an der Augenfarbe an.
    Das einzige was man später sieht, ist die Zahl die auf dem Papier geschrieben steht.
    Aber nun gut, die Neuordnung ist da und wir müssen versuchen das Beste daraus zu machen und Ich hoffe das Ihre Vermutung das im Lauf der kommenden Jahre durch
    Übung und Erfahrung der Ablauf besser und aussagekräftiger wird eintrifft.!!!
    In diesem Sinne ......

    Wünsche Ihnen ebenfalls eine gute Zeit

    Grüße Thomas Betz
    Maschinenbaumechanikermeister
    Bereich Feinmechanik
    Gewerbl.Ausbildungsleiter

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