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Thema: Anrechnungsverordnung/Berufsfeld

  1. #1
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    Standard Anrechnungsverordnung/Berufsfeld

    Guten Tag,
    die Anrechnungsverordnungen machen die Zuordnung der Fachschule zu Berufsfeldern notwenig. Dazu findet man allerdings sehr verwirrende Informationen. Die Liste im Oberbereich bei Bibb gibt Berufsfelder auch nicht konsequent an. So ist der Beruf Industriemechaniker dem Berufsfeld 02 zugeordnet, bei Werkzeugmechanikern und Konstruktionsmechanikern ist aber kein Berufsfeld angegeben.
    Bei der Agentur (www.berufe.net) findet man auch keine saubere einheitliche Zuordnung, die Unterteilen auch noch in Unterfelder und Berufsgruppen.
    Wo gibt es eine praktikable Liste?
    Auf das Problem bin ich gekommen weil die Frage auftauchte, ob der Verfahrensmechaniker Kunststoff- und Kautschuktechnik die einjährige Metallfachschule angerechnet bekommen muss.
    Danke für die Hilfe
    Michael Rumpff

  2. #2

    Standard

    Hallo Herr Rumpf,
    ich bin nicht sicher, worauf sich Ihre Frage bezieht. Sollten Sie noch die alten, außer Kraft gesetzten "Anrechnungsverordnungen" meinen? Diesen waren die jeweils zugehörenden Ausbildungsberufe beigegeben, da brauchte man nicht lange zu suchen.
    Die Anrechnung beruflicher Vorbildung auf die Ausbildungszeit ist im BerBiRefG von 2005 neu geregelt worden. Im Gegensatz zu § 29 der alten Version des BBiG wird jetzt durch § 7 Absatz 1 die Entscheidung, ob eine Vorbildung in einer berufsbildenden Schule (in der Regel Berufsfachschulen) oder einer sonstigen Berufsbildungseinrichtung auf eine sich anschließende Berufsausbildung angerechnet wird, in den Verantwortungsbereich der Länder übertragen. Diese können durch Rechtsverordnung der Landesregierungen entscheiden, ob und in welchem zeitlichen Umfang Bildungsabschnitte an berufsbildenden Schulen oder in sonstigen Einrichtungen auf die Ausbildungszeit einer betrieblichen Erstausbildung anzurechnen sind. Eine solche Anrechnungsmöglichkeit wird in der Regel nur dann in Betracht zu ziehen sein, wenn diese Bildungsangebote nach ihrer inhaltlichen und zeitlichen Struktur der Ausbildungsordnung eines anerkannten Ausbildungsberufs entsprechen.
    Den Ländern war bis zum 1. August 2006 eine Übergangsregelung zugestanden worden. Für später abgeschlossene Berufsausbildungsverträge gilt demnach die BBiG-Version von 2005 und damit die Länderhoheit. Ab 2009 wird dann nur noch die freiwillige Anrechnung möglich sein.
    Für das Land Niedersachsen z.B. habe ich die dort gültige Verordnung unter www.schure.de/22420/bgj-avo.htm gefunden. In der Anlage zu dieser Verordnung sind im Berufsfeld 1 "Metalltechnik" und dem Schwerpunkt A "Fertigungs- und spanende Bearbeitungstechnik" die drei von Ihnen erwähnten Ausbildungsberufe zugeordnet.
    Nordrhein-Westfalen dagegen hat auf eine zwingende Anrechnungsverordnung ganz verzichtet, so dass eine Anrechnung von schulischer Vorbildung nur noch freiwillig vereinbar ist.
    Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V. (vbm) hat mit Stand 01.10. 2006 eine Synopse zur Umsetzung des BBiG – Informationen aus den Landesausschüssen
    veröffentlicht, die jetzt zwar nicht mehr ganz neu ist, aber immerhin einen Überblick über die Richtung gibt.

    Auf meiner Website (www.adalbert-ruschel.de) habe ich die alte sowie die neue regelung in einem Text zum Herunterladen zusammengestellt.
    Fragen Sie bitte bei Ihrer zuständigen Stelle (Ausbildungsberater), ob und ggfls. wie die Anrechnungen in Ihrem Bundesland geregelt sind.

    Mit internetten Grüßen
    Ihr Adalbert Ruschel
    Adalbert Ruschel
    Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
    Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

  3. #3
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    Rotes Gesicht

    Hallo,
    danke für Ihre Antwort, aber da war ich wohl mit der Beschreibung nicht genau genug:
    In Baden-Württemberg sagt diese Anrechnungsverordnung sinngemäß: der Besuch einer einjährigen Berufsfachschule muss anerkannt werden, sofern sie dem "Berufsfeld" des Ausbildungsberufes entspricht.
    In dem Beispiel ist die einjährige Metallfachschule vermutlich dem Berufsfeld Metall zugeordnet. Wo finde ich jetzt eine aktuelle und rechtlich bindende Liste, welche Berufe konkret auch dem Berufsfeld Metall zugeordnet sind.
    Noch konkreter: Muss ein Betrieb, der Verfahrensmechaniker Kunststoff-Kautschuktechnik ausbildet, die einjährige Metallfachschule anerkennen oder nicht?
    Dankeschön und schönes Wochenende.
    Michael Rumpff

    PS: mein Ausbildungsberater bin in dem Fall ich selbst :-)
    Geändert von michael.rumpff (14.03.2008 um 11:41 Uhr)

  4. #4

    Standard Anrechnungsverordnung

    Hallo Herr Rumpf,
    Ihr Outing bezüglich des Bundeslandes macht mir die Antwort nicht leichter. Mit der Ermächtigung in § 7 BBiG an die Bundesländer, für die Jahre 2006 bis 2009 eigene Anrechnungsverordnungen zu erlassen, hat der Gesetzgeber - wie zu erwarten war - ein föderales Chaos ausgelöst. Diese Rechtsverordnungen - soweit überhaupt erlassen - sind länderspezifisch ausgestaltet; sie beziehen sich auf bestimmte Berufe und Schulstandorte, betonen den regionalen Konsens. Soweit ich das von hier aus beurteilen kann, hat sich BW für ein Konsensmodell mit den Kammern entschiede. Das heißt wohl soviel, dass jede Kammer im Einvernehmen mit ihrem Berufsbildungsausschuss ihre eigene Regelung beschließen kann, die dann von der zuständigen Behörde (Wirtschaftsministerium) genehmigt werden muss.
    So habe ich jedenfalls im Internet entsprechende Beschlüsse einiger Kammern gefunden. Dort nehmen diese weitgehend die ab 2009 vorgesehene bundesweite Regelung voraus, wonach nur noch ein gemeinsamer Antrag von Ausbildenden und Auszubildenden an die zuständige Stelle zur Verkürzung führen kann. Demnach wäre Ihre Frage also an die zuständige Stelle zu richten.
    Um mit Norbert Blüm zu sprechen: "Eins ist sicher!" Die früheren bundeseinheitlichen Anrechnungsverordnungen sind außer Kraft und mit ihnen auch die Einteilung der Ausbildungsberufe in Berufsfelder. Die KMK benutzt inzwischen stattdessen den Begriff "Berufsgruppe", wie das die Bundesagentur und das Statistische Bundesamt schon länger tun.
    An dem Thema bin ich nachhaltig interessiert. Sollten Sie etwas Neues herausfinden, bitte ich um Aufklärung.

    Mit internetten Grüßen
    Ihr Adalbert Ruschel
    Adalbert Ruschel
    Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
    Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

  5. #5
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    Standard noch nicht...

    Hallo Herr Ruschel,
    ich bin doch selbst zuständige Stelle und daher sind mir Ihre Aussagen soweit bekannt.

    Mein Problem:
    Die aktuell gültige Rechtsgrundlage in unserem Bundesland sagt aus, dass die einjährige Berufsfachschule anerkannt werden MUSS, sofern sich der Ausbildungsberuf im gleichen BERUFSFELD befindet.
    Also befindet sich der Ausbildungsberuf "Verfahrensmechaniker Kunststoff/Kautschuktechnik" im gleichen Berufsfeld wie die Metallfachschule?
    Also wenn ich Sie jetzt recht verstanden habe, ist auch das nicht mehr bundeseinheitlich geregelt, sondern im "förderalen Chaos" quasi untergegangen?
    Gruß
    Michael Rumpff

  6. #6

    Standard Anrechnungsverordnung

    Hallo Herr Rumpff,
    ich verstehe das immer noch nicht so ganz. Sie persönlich können nicht "zuständige Stelle" sein. Sind Sie Ausbildungsberater einer Kammer?
    Wenn das so ist, müssten Sie doch die Regelung dieser Kammer kennen. Ich habe im Internet eine ganze Reihe solcher kammerspezifischer Regelungen aus BW gefunden. All' diese Veröffentlichungen werden eingeleitet mit einem Hinweis auf die Genehmigung des Wirtschaftsministeriums als Rechtsaufsicht. Eine Verordnung, die eine Anrechnungspflicht enthielte, ist gemäß BBiG neu jedoch bis 31. Juli 2009 befristet. Ab 2009 wird die Anrechnung nur noch auf beiderseitigen Antrag (Auszubildender und Ausbilder) wirksam. Dann gilt nur noch eine Anrechnung auf gemeinsamen Antrag. BW hat damir wohl im Vorgriff auf 2009 die Regelung des § 8 BBiG aufgenommen.
    Die zweite Frage ist klar zu beantworten: Ja, die früheren Anrechnungsverordnungen des Bundes sind außer Kraft gesetzt. Der Begriff "Berufsfeld" ist damit m.W. nicht mehr amtlich, weil er in keinem Gesetz oder in keiner Verordnung mehr auftaucht. Sollte ich da etwas übersehen haben, ließe ich mich gerne belehren.

    Mit internetten Grüßen
    Ihr Adalbert Ruschel
    Adalbert Ruschel
    Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
    Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

  7. #7
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    Standard Also....

    Hallo Herr Ruschel,
    nein, natürlich bin ich nicht persönlich zuständige Stelle, aber in der Tat Ausbildungsberater selbiger.
    Also ich habe mich mal bei den anderen Kammern im Land umgehört. Der Wortlaut der Anrechnungsverordnung in Baden-Württemberg wurde im Nachgang offensichtlich nicht verifiziert. Mit Aufgabe der Bundesverordnung viel auch der Begriff der des BERUFSFELDES, so dass die Berufe sowohl beim BiBB als auch bei der Agentur für Arbeit nicht mehr einheitlich durchgängig nach Berufsfeldern gepflegt werden.
    Hintergrund dafür ist offensichtlich, dass unsere neue Landesverordnung bereits 2009 wieder außer Kraft tritt und ab diesem Ausbildungsjahr die Anrechnung zwischen den Vertragsparteien frei verhandelbar sein wird, was ja durchaus im Sinn der Kammern ist. Insofern hat man sich wohl nicht die Mühe gemacht, die anrechnungspflichtigen Berufe genau zu definieren. Die von mir befragten Kammern in Baden-Württemberg lassen die Anrechnungsverordnung, in Entsprechung der gefallenen Bundesverordnung, ausschließlich für die fünf industriellen Metallberufe gelten.
    Insofern ist meine Frage geklärt, vielen Dank für Ihre Mühe.
    Michael Rumpff

  8. #8

    Standard Anrechnungsverordnung

    Hallo Herr Rumpff,
    vielen Dank für die Antwort, die meiner Eitelkeit ;-) entgegen kommt. Das Beispiel zeigt mir wieder einmal, wie schwierig es in Deutschland geworden ist, in dem gesetzgeberisch erzeugten juristischen Dikicht tätig zu werden. Die Hecke um das schlafende Dornröschen war lichter als unser Gesetzesdschungel. Ich verstehe bis heute nicht, warum der Bundestag nicht gleich die für 2009 vorgesehene Lösung hat gelten lassen. Die Ermächtigung der Länder, für die Zeit zwischen 2005 und 2009 eigene Verordnungen zu erlassen, war meiner Meinung nach so überflüssig wie ein Kropf.
    Wie heiß die Nadeln waren, mit denen das BerBRefG gestrickt wurde, lässt sich noch an anderen Stellen beweisen: Der Schlichtungsausschuss bei den Kammern wurde im Gesetz nicht wieder aufgenommen, ist aber im Arbeitsgerichtsgesetz (§ 111) weiterhin als obligatorische vorgerichtliche Instanz enthalten. Der Amtsschimmel wiehert!

    Mit internetten Grüßen
    Ihr Adalbert Ruschel
    Adalbert Ruschel
    Professor i.R. Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg
    Autor und Ko-Autor von Büchern und Buchbeiträgen zur beruflichen Bildung

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